Hundesport das ganze Jahr!

Heute lernen wir eine interessante und sehr erfolgreiche Hundesportlerin kennen.

Barbara Iserhardt aus der Schweiz betreibt das ganze Jahr Sport mit Ihren Hunden. Sie berichtet uns aus ihrem Alltag, von ihren Hunden und wie sie Ihre Hunde auf die Wettbewerbe vorbereitet.


Frau Iserhardt, Sie betreiben sehr aktiv Hundesport. Was genau machen Sie?

Meine Hauptdisziplin ist das Skijöring. Das ist Skilanglauf mit Hund. Der Jörer ist der Mensch, also der Langläufer auf den Skiern. Der Hund trägt ein Zuggeschirr und ist über eine Leine, die einen Stossdämpfer hat, mit dem Jörer verbunden. Der Hund läuft die ganze Zeit auf Zug voraus. Dabei unterstützt der Langläufer mit der Skating-Technik den Hund. Beide müssen also kräftig arbeiten.

Und was machen Sie in der schneefreien Zeit?

Im Frühjahr und im Herbst bietet sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Aktivitäten: Bikejöring – das ist wie das Skilöring oben beschrieben, nur mit Fahrrad, Trottinettretroller, Canicross oder Dogtrekking (das ist weitwandern mit Hund).

Zudem nehme ich als Ausgleich zur Zugarbeit im Sommer mit den Hunden an Hundemilitary teil. Gerne fahre ich auch mit ihnen an den Rhein oder in die Berge oder nehme sie mit zu einer Kollegin auf einen Pferdehof.

Sicherlich müssen Sie dafür viel trainieren. Wie können wir uns das Training vorstellen?

Um mit dem Zugtraining starten zu können, muss es kühl sein. In Fachkreisen heißt es unter 17 Grad. Da man beim Canicross hinten mitrennt und nicht so schnell ist, tolerieren die Hunde hier auch Temperaturen, die wenige Grad über dem eben genannten Wert liegen.

Wichtig bei jeder Zugarbeit ist, daß der Hund auf Zug vorausläuft und nicht neben dem Jogger, Fahrradfahrer etc. trabt. Denn dann ist der Mensch der Tempomacher und es kann sein, daß der Hund dadurch überanstrengt wird. Bei Wettkämpfen führt Tempomachen zur sofortigen Disqualifikation.

Wie weit die Temperatur für das Training bei den anderen Hundesportarten unter 17 Grad  sein muss, hängt vom Hund und seiner Rasse ab. Schlittenhunde aus der schweren Kategorie wie zum Beispiel: Grönland Hund , Alaskan Malamut und Samojede reagieren meist mehr auf höhere Temperaturen, da sie eine dichtere Unterwolle als andere Hunde haben.

Mit meiner Grönland Hündin starte ich das Bike oder Trottinet-Training erst ab 13 Grad, das heißt nicht vor der zweiten Augusthälfte. Wir starten immer sehr früh am Morgen und fangen mit 3,5 km an. Alle zwei Wochen steigere ich die Distanz um 1 km.

Bis 2016 bin ich nur Sprintrennen gefahren, bei denen liegen die Distanzen bei 9-14 km . 2017 habe ich an verschiedenen Mitteldistanz-Rennen teilgenommen mit 20-30 km Länge und bis 1600 Höhenmeter pro Rennen.

Das bedeutet für das Training: den Hund hauptsächlich traben lassen bei gleichzeitigem Ziehen eines zumutbaren Gewichtes. Ich schaue, daß immer Zug auf der Leine ist und mach auch mal ein Krafttraining mit leicht angezogener Bremse. Zwischendurch lasse ich gezielt immer mal galoppieren. Wichtig beim Training ist der Trainingszweck. Im reinen Galopp schafft man keine Mitteldistanz, dafür braucht man mehr Ausdauer. Der Sprinter dagegen trainiert auf Geschwindigkeit auf kurzen Strecken.

Wenn es wärmer ist, gehe ich mit den Hunden spazieren oder wandern oder fahr irgendwo ans Wasser mit ihnen.

Was gefällt Ihnen am Hundesport?

Für mich ist Hundesport super, weil er verschiedene Dinge miteinander verbindet, die ich persönlich sehr schätze. Zum einen bewege ich mich sowieso sehr gerne und die Hunde selbstredend auch. Draußen mehrere Stunden mit dem Hund in der Natur zu sein - das schweißt zusammen.

Zum anderen binden das Training und die Mitteldistanz-Rennen oder das Dogtrekking Hund und Menschen und sind ein toller Ausgleich. Ich mag die Kombination aus Ruhe, Natur, Tiere und körperlicher Aktivität sehr.

Wie sind Sie überhaupt auf den Hund gekommen?

Meine Eltern hatten schon einen Hund als ich Kind war.

Wie viele Hunde haben Sie aktuell?

Insgesamt habe ich drei Hunde:

1. Scotti:

Mischung aus Border Collie und Flat Coatet Retriever, geb. 2004. Mit ihm habe ich in 2008 den 16. Platz bei über 30 Teilnehmern an der ECF Europameisterschaft im Bikejöring belegt.

2. Idita's Myrthe:

Eine Grönland Hündin, stammt auch wie Scotti aus dem Tierheim. Ihre Mutter stammte von der Grönland-Hunde Kolonie am Eigergletscher der Jungfrau Bahn, die 2009 leider geschlossen wurde. Sie wurde 2012 geboren und seit 2015 bei mir. Im Februar 2017 habe ich die Fistc Europameisterschaft in Millegrobbe Italien in der Mitteldistanz Skijöring mit ihr gewonnen.

3.Tinka's Pers Oq:

Am 31.07.2017 geborener Grönland-Hund, den ich in Norwegen geholt habe. In der Schweiz gibt es keinen Züchter mehr für diese Rasse und in Deutschland gibt es noch einen, der keinen freien Welpen hatte. Pers Oq stammt ab von Katinka Mossim die Anfang der 80er mit Grönland-Hunden im Skijöring an Longdistanz Rennen (200-700km) teilgenommen hat. Die damalige Zuchtstätte in der Schweiz hatte ihre Hunde von ihr und teils direkt aus Grönland bezogen. In Grönland wurden die Hunde von dem bekannten Expeditionsteilnehmer Rassmussen für die Schweiz ausgesucht. 

Welche Turniere/ Wettkämpfe stehen in dieser Saison noch an? In welchen Ländern sind Sie dafür unterwegs?

Leider hatte ich einen Unfall und bin mit dem Training etwas im Rückstand. So bin ich noch nicht sicher, an welchen Rennen ich teilnehmen kann.

Wenn alles gut läuft, steht auf dem Plan: der Trans Alp (Schweiz), das Rennen in Zell (Deutschland), zudem diverse Sprintrennen in Deutschland und der Schweiz und eventuell die EM in Zuberec.

Um den 10.03.18 wäre auch noch die WSA EM in Sveg in Schweden. Mal sehen, ob das klappt.

Und was die Ernährung der Hunde betrifft: welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Wie füttert man am Besten solche Sporthunde, die ja viel Energie benötigen?

In der Zeit des Aufbaus füttere ich natura diet 4800 und jeden 2. Tag 1 x Frischfleisch. In der Rennsaison von Januar bis März mische ich zusätzlich Lachsöl und 150g Frischfleisch ins Trockenfutter.

Bei den Rennen selbst gibt es im Ziel immer ein großes Stück Lachs von ca. 200g, dessen Proteine für eine bessere Regeneration sorgen. Scotti bekommt Senioren Futter natura diet +7 und Pers Oq das natura diet Puppy Large Breed. Beide bekommen natürlich auch etwas Frischfleisch dazu.

Liebe Frau Iserhardt, herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch und weiterhin viel Erfolg!


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